Sehr geehrter Herr Saebisch, sehr geehrte Damen und Herren der Friedrich-Naumann-Stiftung,
wir lehnen Ihre Einladung zur Verleihung des Freiheitspreises 2026 am 7. November in der Frankfurter Paulskirche entschieden ab. Wir protestieren gegen Ihre Entscheidung, Reza Pahlavi den Preis stellvertretend für das iranische Volk entgegennehmen zu lassen.
Die Würdigung der Menschen, die im Iran seit Jahrzehnten für Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung kämpfen, begrüßen wir ausdrücklich. Doch Reza Pahlavi verfügt über kein demokratisches Mandat, das iranische Volk zu vertreten. Seine politische Rolle ist innerhalb der iranischen Opposition hoch umstritten.
Als Sohn des letzten Schahs steht Pahlavi zudem in einer besonderen historischen Verantwortung. Unter der Herrschaft seines Vaters wurden Oppositionelle verfolgt, gefoltert und ermordet. Eine klare Distanzierung von den Menschenrechtsverletzungen unter der Herrschaft seines Vaters steht bis heute aus. Besorgniserregend sind auch Berichte über Drohungen, frauenfeindliche Anfeindungen und gewaltsame Übergriffe durch Teile seiner Anhängerschaft gegen Journalist*innen und andere Oppositionelle. Gerade wer Freiheit und Demokratie für sich beansprucht, muss sich an seinem Umgang mit Kritik und politischer Vielfalt messen lassen.
Wer das iranische Volk ehren will, darf nicht eigenmächtig bestimmen, wer für dieses Volk sprechen soll.
Die Proteste gegen diese Entscheidung reichen inzwischen von Initiativen der iranischen Diaspora bis zu zahlreichen Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Menschenrechtsarbeit über Parteigrenzen hinweg. Auch uns erreichen entsprechende Schreiben. Dieser breite Widerspruch darf nicht übergangen werden.
Unser Verständnis von Freiheit erschöpft sich nicht im Austausch politischer Eliten. Frauen, Gewerkschafter*innen, Studierende und Angehörige ethnischer und religiöser Minderheiten kämpfen im Iran gegen Unterdrückung, patriarchale Gewalt und soziale Ungleichheit. Internationale Solidarität muss diese emanzipatorischen Bewegungen stärken, statt einzelne Führungsfiguren zu privilegieren.
Besonders problematisch ist die symbolische Aufladung der Preisverleihung in der Frankfurter Paulskirche, einem Ort der demokratischen Revolution von 1848. Hier einem nicht demokratisch legitimierten Politiker die Rolle des Vertreters eines ganzen Volkes zuzuschreiben, widerspricht dem Anspruch auf Volkssouveränität und Selbstbestimmung, für den dieser Ort steht.
Als gewählte kommunale Mandatsträgerinnen werden wir dieser Inszenierung durch unsere Anwesenheit keine zusätzliche Legitimität verleihen. Wir fordern die Friedrich-Naumann-Stiftung auf, von der Übergabe an Reza Pahlavi Abstand zu nehmen. Wir schließen uns der Forderung aus der iranischen Zivilgesellschaft an, den Preis bis zur Übergabe an demokratisch legitimierte Vertreterinnen des iranischen Volkes selbst zu verwahren.
Die Zukunft des Iran gehört den Menschen, die dort leben und für ihre Freiheit kämpfen. Nicht den Mullahs, nicht einem Schah und nicht einer deutschen Stiftung.
Nah Pahlavi, nah Rahbari. Jin, Jiyan, Azadî.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Daniela Mehler-Würzbach, Fraktionsvorsitzende
Ayse Dalhoff, Mitglied des Präsidiums der Stadtverordnetenversammlung
Margarete Wiemer, Stadträtin
für Die Linke im Römer