Unser Schul- und Bildungssystem ist hochgradig selektiv

7. Plenarsitzung der Stadtverordnetenversammlung am 13. Oktober 2016

Aktuelle Stunde zur Frage Nr. 200: Laut Presseberichten hat die Römer-Koalition beschlossen, etwa 520 neue Stellen fĂŒr die Stadtverwaltung zu schaffen. Sieht der Magistrat dieses Vorhaben als Chance, dem Ziel des „10-Punkte-Planes“ nĂ€her zu kommen, und wie wird er verfahren, um mehr Frankfurter mit Migrationshintergrund bei der Stadtverwaltung einzustellen?

Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin

Dr. Renate Wolter-Brandecker:

Danke schön, Herr Stadtrat Majer! Es gibt eine weitere Wortmeldung von Herrn MĂŒller von der LINKE.-Fraktion. Bitte!

Stadtverordneter Michael MĂŒller, LINKE.:

Frau Vorsteherin,

meine Damen und Herren!

Ich bin ein bisschen verwundert bei dieser Debatte. Es wird gesagt, es mĂŒssen Eignung, Leistung und BefĂ€higung gelten, aber wie sieht denn die RealitĂ€t aus? Der Zugang zu Bildung ist entscheidend dafĂŒr, dass Menschen ĂŒberhaupt die BefĂ€higung erlangen, sich fĂŒr Stellen zu bewerben. Deshalb mĂŒssen wir uns doch auch darĂŒber unterhalten. Wie sieht denn die RealitĂ€t an deutschen Hochschulen aus, wie hoch ist der Anteil von Studierenden mit Migrationshintergrund? Der ist doch viel zu gering. Das heißt, wir mĂŒssen viel frĂŒher anfangen. Wir mĂŒssen in Bildung investieren, wir mĂŒssen schauen, dass wir Menschen befĂ€higen, höhere BildungsabschlĂŒsse zu erzielen, um sich dann ĂŒberhaupt fĂŒr Stellen bewerben zu können.

(Beifall)

Das heißt, wir mĂŒssen auch ĂŒber Bildungsgerechtigkeit reden. Das kam in der bisherigen Debatte viel zu kurz und wird leider der Herausforderung nicht gerecht. Wenn es um Chancengerechtigkeit gehen muss, dann ist es natĂŒrlich so, dass Menschen diskriminiert werden, wenn sie einen anderen Nachnamen oder eine andere Hautfarbe haben. Sie mĂŒssten sich einmal umschauen, wie hoch der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund ist, die es eben nicht schaffen, im weiteren Bildungsweg nach oben zu kommen, eben auch, weil unser Schul- und Bildungssystem hochgradig selektiv ist. Das ist doch die Verantwortung, die wir haben, genau dies hier auch anzusprechen. Wir können uns nicht darauf ausruhen, dass wir lediglich sagen, wir schaffen ein anonymisiertes Bewerbungsverfahren, wenn wir uns nicht gleichzeitig darum kĂŒmmern, dass wir Menschen adĂ€quat befĂ€higen, sich fĂŒr diese Position zu bewerben. Sonst bleiben wir fadenscheinig und werden niemals diesem Anspruch gerecht, den wir schließlich als Stadt Frankfurt haben, dass wir nĂ€mlich eine inklusive Stadtgesellschaft wollen. Deswegen ist es uns als LINKE. immer wichtig, Bildungs- und Chancengerechtigkeit immer mit zu bedenken, wenn es um die Frage geht, wie man den Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund in der Frankfurter Stadtverwaltung erhöht.

Vielen Dank, meine Damen und Herren!

(Beifall)

Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin

Dr. Renate Wolter-Brandecker:

Vielen Dank, Herr MĂŒller! Meine Damen und Herren, es liegen keine weiteren Wortmeldungen vor. Ich schließe den Tagesordnungspunkt 3., die Aktuelle Stunde, und ĂŒbergebe die Sitzungsleitung an Herrn Stadtverordnetenvorsteher Siegler.

Hier können Sie die Rede als PDF-Datei herunterladen.

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