2. Plenarsitzung der Stadtverordnetenversammlung am 21. Mai 2026
TOP 11. Pilotprojekt zum Wohnungstausch
Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
das ist meine erste Rede in diesem Haus.
Ja, es gibt ein Problem. Viel zu viele Menschen leben alleine in viel zu großen Wohnungen und leiden darunter. Andererseits gibt es viele Familien, die händeringend eine größere Wohnung suchen. Wohnungstausch klingt gut. Ich finde persönlich alles super, was den Neubau auf der grünen Wiese vermeidet, aber dieses Pilotprojekt überzeugt mich nicht. Großes Aber: Andere Städte haben bereits jede Menge Erfahrungen mit Wohnungstausch gesammelt. Lörrach zum Beispiel bezuschusst schon seit 1990 die Bürger:innen in kleinere Wohnungen umzuziehen. Freiburg und Mannheim haben solche Programme, zahlen Umzugswilligen inzwischen 2.000 bis 5.000 Euro. Das gesamte Land Baden-Württemberg hat jetzt ein Landesprogramm „Wohnflächenbonus“ aufgelegt. In Berlin kümmern sich sechs landeseigene Wohnungsbaugesellschaften um den Wohnungstausch. Das hessische Lampertheim hier um die Ecke macht viel in diese Richtung, aber deren Erfahrungen sind durchweg bescheiden. Nichts hat bisher gut funktioniert. Es gibt genug öffentliches Wissen dazu, das kann man alles nachlesen. Es gibt Umzugswillige, aber kaum Umzüge. Warum ist das so? Wer schon lange in einer Wohnung lebt, zahlt häufig eine günstige Miete. Beim aktuellen Wohnungsmarkt heißt das, in eine kleinere Wohnung umzuziehen, die genauso teuer ist oder sogar teurer als die bisherige. Wer also einen alten Mietvertrag hat, wäre ganz schön blöd, jetzt umzuziehen. Da helfen auch keine Umzugsprämien und sonstige Versprechungen. Übrigens, man höre und staune, auch die Stadt Frankfurt hat bereits Erfahrungen mit Wohnungstausch gesammelt – genauso erfolglos. Deswegen frage ich mich, wozu dieses Pilotprojekt? Wir fangen doch hier nicht bei null an. Wir müssen das anders anpacken. Denn aus einer guten Idee sollte auch gute Politik werden. Wenn die Stadt Frankfurt nicht an die Strukturprobleme des Wohnungsmarkts rangeht, besteht die Gefahr, mit diesem Projekt Geld zu verbrennen, denn neue Informationen, neue Erkenntnisse wird es nicht bringen. Dann verkommt ein solches Pilotprojekt zur reinen Symbolpolitik und das wäre Verschwendung von Steuergeldern.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
(Beifall)
