Frankfurt verliert weitere Geburtshilfe aus finanziellen Gründen

Frankfurt verliert eine weitere Geburtshilfe für werdende Mütter. Das DGD-Krankenhaus Sachsenhausen hat angekündigt seine Abteilung zu schließen und gibt als Gründe hierfür die fehlende Finanzierung und die geplante Krankenhausreform des Bundes an. 2018 hatte bereits das Agaplesion Markus Krankenhaus die Abteilung für Geburtshilfe geschlossen.

„Wenn der Geschäftsführer des Krankenhauses in Sachsenhausen sagt, dass sich eine Geburtshilfe erst ab 1.300 bis 1.500 Geburten pro Jahr finanziell trägt, dann zeigt dies mal wieder die ganze Absurdität unseres Gesundheitssystems: Die Gesundheit werdender Mütter und deren Kinder sind ein rein wirtschaftlicher Faktor, der sich entweder lohnt oder nicht. Und wenn nicht, wird die Leistung nicht mehr erbracht. Das setzt eine negative Spirale für alle Beteiligten in Gang. Andere Krankenhäuser müssen die Schwangeren aufnehmen, das bedeutet mitunter längere Wege für die Frauen und Überlastung und Stress bei den Geburtshelfer*innen. Das beeinflusst natürlich die Versorgungsqualität und führt im schlimmsten Fall zu unnötigen medizinischen Maßnahmen, um die Geburt zu beschleunigen. Nicht umsonst protestieren gerade die Hebammen und fordern eine angemessene Bezahlung und verbesserte Arbeitsbedingungen“, kommentiert Dominike Pauli, Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Römer, die Situation der Geburtshilfe in Frankfurt.

Die geplante Krankenhausreform des Bundes sieht vor, dass sich Krankenhäuser auf bestimmte Leistungen konzentrieren, für die sie dann einen Versorgungsauftrag erhalten.

„Die Bündelung von Leistungen im Gesundheitsbereich auf bestimmte Kliniken mag bei gewissen medizinischen Leistungen vielleicht sinnvoll sein, vor allem, wenn es sich um planbare Eingriffe handelt. Aber gerade die Geburtshilfe muss möglichst wohnortnah angeboten werden, denn wir alle wissen, dass sich Kinder bei natürlichen Geburten nur selten an den vorher bestimmten Geburtstermin halten. Wir brauchen dringend eine echte Gesundheitsreform, die medizinische Leistungen nicht als wirtschaftlichen Faktor betrachtet und damit auch die Diskussion verhindert, ob sich die Geburt eines Kindes finanziell für ein Krankenhaus lohnt oder nicht“, so Pauli abschließend.

 

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