Dieses Kinder- und Jugendtheater muss Synergien schaffen

11. Plenarsitzung der Stadtverordnetenversammlung am 23. Februar 2017

Tagesordnungspunkt 9: Planung und Konzepterstellung eines Kinder- und Jugendtheaters

 

Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Erika Pfreundschuh:

Danke sch├Ân, Frau Dr. Wolter-Brandecker! Als N├Ąchster hat Herr Kliehm von der LINKE?Fraktion das Wort. Danach folgt Herr Dr. D├╝rbeck von der CDU-Fraktion. Bitte sch├Ân!

Stadtverordneter Martin Kliehm, LINKE.:

Sehr geehrte Damen und Herren!

Wir reden jetzt zur fortgeschrittenen Stunde ├╝ber einen Antrag zum Kinder- und Jugendtheater, zu dem eigentlich fraktions├╝bergreifend Konsens besteht. Denn anders als vielleicht die Finanzpolitiker in der Koalition, besitzen Ihre Kulturpolitikerinnen und Kulturpolitiker oft noch so etwas wie soziale Kompetenz. Dem Kulturausschuss ist an der Chancengleichzeit aller Menschen in Frankfurt gelegen, Br├╝cken f├╝r eine inklusive Gesellschaft zu bauen, statt zu spalten. Da sei mir die Nebenbemerkung gestattet: Genau das ist der Grund, Herr Becker, warum Sie nicht Oberb├╝rgermeister werden und warum Michael zu L├Âwenstein nicht Mitglied des Bundestags werden wird. Wir brauchen keine Scheindebatte zu einem Burka-Verbot, wir brauchen eine inklusive Gesellschaft, wir brauchen Kultur und Bildung f├╝r alle, und ein Baustein daf├╝r ist das Kinder- und Jugendtheater.

Daf├╝r, dass es noch kein Konzept gibt, steht schon viel fest, man konnte es heute in der Zeitung lesen. Es ist eine eigene Intendanz, ein eigenes kleines Ensembles, 300 Sitzpl├Ątze, eine 500 Quadratmeter gro├če Hauptb├╝hne f├╝r einen sparten├╝bergreifendes Programm, auch Tanztheater, eine Probeb├╝hne und eine Werkstatt ins Gespr├Ąch gebracht worden. Also daf├╝r, dass wir konzeptlos sind, ist das schon eine ganze Menge.

Ich finde aber, wie auch immer das am Ende sein wird, Frau Dr. Hartwig hat es in der Presse gesagt, erst einmal muss die Bausubstanz gepr├╝ft werden. Wir kennen das vom Schauspielhaus, da wird in W├Ąnde gebohrt, da wird geguckt, was dahinter zu finden ist. Nat├╝rlich muss erst einmal alles gepr├╝ft werden. Es muss eine Finanzierungsvorlage erstellt werden und nicht zuletzt auch das Konzept.

Es darf meines Erachtens aber keine hoch finanzierte Konkurrenz zu den bestehenden Angeboten werden. Dieses Kinder- und Jugendtheater muss Synergien schaffen und auch die Br├╝cke zu den freien Theatern bilden, die schon jetzt ein sehr gutes Programm haben. Dazu m├╝ssen wir aber auch die freien Theater weiterhin besser ausstatten und finanzieren, um gerade die prek├Ąren Arbeitsbedingungen dort zu beenden.

Frau Dr. Hartwig hat es in der Presse gesagt, wir m├╝ssen Kooperationen etablieren, Kooperation aber auch ├╝ber die Schulen hinaus. Ich finde es zum Beispiel sehr gut, wenn ├ťbergangsm├Âglichkeiten f├╝r junge Menschen geschaffen werden, die dort auch selbst in dem neuen Kinder- und Jugendtheater aktiv sind und dann vielleicht eines Tages ihren Weg an die Hochschule f├╝r Musik und Darstellende Kunst finden. Denn auch deren Talente m├╝ssen wir f├Ârdern. Es kann nicht sein, dass wir hier in Frankfurt eine hervorragende Hochschule f├╝r diese Bereiche haben, f├╝r Regie, Schauspiel und Tanz, und am Ende wandern die alle nach Berlin ab.

Wer neulich im Gallus-Theater war, konnte sehen, was f├╝r eine hervorragende Qualit├Ąt das bietet. Wenn es uns durch das Kinder- und Jugendtheater gelingt, auch diese Talente, die in Frankfurt ausgebildet werden, in Frankfurt zu halten, sie vielleicht in einem kleinen Ensemble oder in der Kooperation mit externen Gruppen auch an dem neuen Kinder- und Jugendtheater zu integrieren, dann haben wir nicht nur einen neuen Ort f├╝r die Kinder geschaffen. Sondern wir haben auch f├╝r die Stadt dar├╝ber hinaus etwas geschaffen, das Strahlkraft entwickelt und daf├╝r sorgt, dass eben auch Studierende, wenn sie nicht mehr Kinder und Jugendliche sind, in Frankfurt eine Zukunft haben.

Vielen Dank!

(Beifall)

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