Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:
- Der Magistrat wird aufgefordert, auf die Eigentümerin der Liegenschaften Hermannstraße 42–42b und 46–46a sowie in der Adlerflychtstraße 35–37, Aberdeen Investments, einzuwirken, die von ihr in Auftrag gegebenen Ergebnisse der Probebohrungen in den Betondecken zu veröffentlichen.
- Die Bauaufsicht Frankfurt beauftragt ein unabhängiges Gutachten zur statischen Sicherheit der Liegenschaften, dessen Ergebnisse offengelegt werden.
- Die Bewohner*innen werden zeitnah darüber informiert, ob eine Einsturzgefahr ihrer Wohnungen besteht.
- Ein Abriss der Gebäude auf Basis der von Aberdeen beauftragten Gutachten ist ausgeschlossen.
- Der Magistrat verpflichtet Aberdeen Investments dazu, zeitnah alle notwendigen Baumaßnahmen zu ergreifen, um dauerhaft einen sicheren und bewohnbaren Zustand der Wohnungen ohne Einschränkungen wiederzustellen. Dabei soll die Barrierefreiheit der Bewohner*innen sichergestellt sowie ein transparenter Zeitplan vorgelegt werden.
Begründung:
Die Liegenschaften Hermannstraße 42–42b und 46–46a und Adlerflychtstraße 35–37 im Nordend wurden in den 1950er Jahren erbaut und im August 2025 von Aberdeen Investments gekauft. Die neue Eigentümerin verlautet, dass die Ergebnisse eines von ihr aufgegebenen Gutachtens zum Schluss kommen, dass die untersuchten Decken „nicht standsicher“ seien. Die Betonträger der untersuchten Decken seien zu dünn und würden aus minderwertigem Material bestehen. Nun werden die Decken aus statischen Gründen von Metallstützen gestützt. Ob die Häuser abgerissen werden, ist offen.
Die Bewohner*innen sind aufgrund von widersprüchlichen Aussagen zur Gebäudesicherheit beunruhigt. Schließlich habe laut Angaben der Leiterin der Bauaufsicht die ehemalige Eigentümerin, die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL), vor einigen Jahren „glaubhaft und nachvollziehbar“ dargelegt, dass die Tragwerkskonstruktion in den Häusern in der Adlerflycht- und Hermannstraße eine andere sei als im Oeder Weg 74-78[1]. Dieses ehemalige VBL-Gebäude gehört zum Ensemble, das Aberdeen erworben und zu Beginn des Jahres aufgrund von angeblicher Einsturzgefahr abgerissen hat.
Andererseits haben die Mieter*innen große Angst vor Verdrängung. Vielen von ihnen wurde bereits 5.000 Euro für einen Auszug angeboten, zudem stehen viele Wohnungen bereits über einen längeren Zeitraum leer. Es besteht die Sorge, dass Aberdeen Investments als finanzstarker Investor mit den verbleibenden Häusern die gleichen Pläne verfolgt wie im Oeder Weg 74-78: Abriss und profitabler Neubau.
Aufgrund der großen Unsicherheit unter den Bewohner*innen muss schnellstmöglich Klarheit über die Sicherheit und Zukunft der Liegenschaften Hermannstraße 42–42b und 46–46a sowie Adlerflychtstraße 35–37 geschaffen werden. Die Stadt Frankfurt steht in der Verpflichtung, den Gebäudezustand unabhängig zu prüfen. Die Entscheidung für einen endgültigen Abriss muss sorgfältig und unvoreingenommen getroffen werden. Aus ökologischen und sozialen Gründen sollte er vermieden werden.
Die Linke im Römer
Michael Müller und Daniela Mehler-Würzbach
Fraktionsvorsitzende
Antragstellende:
Stv. Benjamin Aličić
Stv. Deniz Avan
Stv. Ayse Dalhoff
Stv. Heike Leitschuh
Stv. Daniela Mehler-Würzbach
Stv. Michael Müller
Stv. Alexis Passadakis
Stv. Dominike Pauli
Stv. Mona Waissi
[1] Frankfurter Rundschau, 17.04.26: https://www.fr.de/frankfurt/nordend-ort904333/drei-von-vier-haeusern-des-ensembles-am-oeder-weg-sind-marode-94265294.html
