Kirchners Kritik an KAV ist rassistisch

„Wenn eine von Rassismus betroffene Minderheit darauf aufmerksam macht, dass etwas rassistisch ist, ist eine der bedauerlichsten Reaktionen, es als ‚einfach bizarr‘ abzutun“, erklĂ€rt Pearl Hahn, Stadtverordnete der Fraktion DIE LINKE. im Römer. Genau das tut ausgerechnet der integrationspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Römer Thomas Kirchner. „Das ist anmaßend und respektlos“, ergreift Hahn Partei fĂŒr die KAV.

Vor etwa zwei Wochen hatte die Kommunale AuslĂ€ndervertretung (KAV) einen Antrag gestellt, mit dem sie die Stadtverordnetenversammlung aufforderte, sich dafĂŒr einzusetzen, dass rassistische Bezeichnungen und Logos „aus dem Stadtbild Frankfurts verschwinden“. Die Mohren-Apotheken dienten als Beispiel. Kirchner urteilte nun ĂŒber diesen Antrag und bezeichnete ihn als „einfach bizarr“ und ein Problem, das „in der Frankfurter Bevölkerung ĂŒberhaupt kein Thema ist“.

„Ist Herrn Kirchner nicht klar, dass die KAV und die Menschen, die sie vertritt, auch zur Frankfurter Bevölkerung gehören?“, fragt sich Hahn. Es sei erschreckend, mit wie vielen diskriminierenden Kommentaren die KAV nun umgehen muss und wie rassistisch die Kommentare unter den Onlineartikeln sind. Daraus schlussfolgert Hahn: „Das zeigt, dass Rassismus ein Problem in Frankfurt ist und dass dieser Name Bilder transportieren.“

Hahn sieht die Aufgabe der KAV nicht darin, einer CDU-Fraktion Begriffe zu erklĂ€ren. Vielmehr sollte eine Fraktion, die kaum auf Erfahrungen mit Migration aus den eigenen Reihen zurĂŒckgreifen kann, die Stimmen von Betroffenen wahrnehmen. „Es ist ein Privileg, dass manche Menschen sich ĂŒber Alltagsrassismus keine Gedanken machen mĂŒssen, weil sie keinen Rassismus erfahren. Doch Geschichte und Kolonialisierung sind fĂŒr alle Menschen prĂ€gend und ziehen sich zum Beispiel durch einen unbewussten Sprachgebrauch bis in unsere Gegenwart“, so Hahn.

Dass der Name fĂŒr die fortschrittliche Medizin im Orient stehe, hĂ€lt Hahn fĂŒr eine Ausrede. „Sollten die Apotheken wirklich ein Interesse daran haben, aufzuzeigen, dass ihr fachliches Wissen orientalische Wurzeln hat, kann dafĂŒr sicherlich ein diskriminierungsfreier Weg gefunden werden. Die Apotheken könnten zum Beispiel die Namen von Averroes oder Avicenna nutzen.“

 

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