Stand der Digitalisierung in Frankfurter Einrichtungen des Kulturerbes

Anfrage des Stadtverordneten Martin Kliehm der Fraktion DIE LINKE. im Römer gemĂ€ĂŸ § 50 (2) HGO

 

Nach einer Bestandsaufnahme von 2011 besitzt die Stadt Frankfurt KulturgĂŒter im Wert von 2,6 Milliarden Euro, die u.a. in Museen, Archiven und Bibliotheken aufbewahrt werden.

FĂŒr diese und andere Einrichtungen des Kulturerbes eröffnen sich mit der Digitalisierung von Archivalien und BestĂ€nden seit einigen Jahren neue Möglichkeiten der PrĂ€sentation – sei es im Lesesaal oder im Internet. Gleichzeitig werden Werke und wertvolle Dokumente geschĂŒtzt und langfristig gesichert. Aussagen zur wissenschaftlichen Bedeutung der Objekte, zu Vergleichsobjekten, zu den KĂŒnstler*innen,  der Herkunft, des Zustandes usw. können so ebenfalls zentral erfasst werden.

In den Frankfurter Einrichtungen des Kulturerbes wurde spĂ€testens 1999 mit der computergestĂŒtzten Inventarisierung begonnen. Dabei haben die FĂŒlle und Differenziertheit der SammlungsbestĂ€nde eine einheitliche Erfassung erschwert. Um die KompatibilitĂ€t der verschiedenen EDV-gesteuerten Systeme voranzutreiben, wurde damals eine Arbeitsgruppe Datenbank Museumsobjekte gegrĂŒndet mit dem Ziel, ĂŒbergreifende Lösungen zu finden und auch Fragen der Zukunftssicherheit der Systeme sowie Rechtsfragen im Zusammenhang mit der öffentlichen VerfĂŒgbarkeit von Daten zu klĂ€ren.

Die EU-Richtlinie ĂŒber die Nutzung verwaister Werke, zu der die scheidende Direktorin des Deutschen Filmmuseums Claudia Dillmann beratend beitrug, hat hier einige Unsicherheiten bei der Digitalisierung geklĂ€rt. Zumal der Entwurf des europĂ€ischen Urheberrechts Ausnahmen fĂŒr Einrichtungen des Kulturerbes (Bibliotheken, Museen, Archive oder Einrichtungen des Film- und Tonerbes) vorsieht. Auch die Urteile des EuGH und des BGH zur Digitalisierung in Bibliotheken sind maßgebend.

Wann mit einem Abschluss der Erfassungsarbeit in Frankfurt gerechnet wird, konnte von der Arbeitsgruppe damals nicht nÀher bezeichnet werden. In der Zwischenzeit aber hat die EuropÀische Kommission das Projekt einer virtuellen europÀischen Bibliothek Europeana ins Leben gerufen, das zum Ziel hat, bis zum Jahr 2025 das gesamte europÀische Kulturerbe zu katalogisieren. Die Deutsche Nationalbibliothek in Frankfurt ist ein wichtiger Protagonist bei Europeana.

Der Magistrat wird vor diesem Hintergrund gebeten, folgende Fragen zu beantworten:

  1. Wie ist der Stand der Digitalisierung in den mit öffentlichen Geldern geförderten Frankfurter Einrichtungen des Kulturerbes?
  2. Inwieweit sind Archivalien und BestĂ€nde dieser Institutionen heute schon in digital-hochauflösender Form verfĂŒgbar und wo?
  3. Welche Frankfurter Institutionen nehmen an der virtuellen europÀischen Bibliothek Europeana teil? In welchem Umfang?
    1. Welche Chancen und Risiken sind aus Sicht der Stadt Frankfurt mit der Digitalisierung von Archivalien und BestÀnden verbunden?
    2. Welche Erfahrungen konnten seit Beginn der Inventarisierungen gemacht werden?
    3. Inwieweit haben die verschiedenen Institutionen dabei voneinander gelernt?
    4. Inwiefern bestehen zur Digitalisierung Kooperationen untereinander, mit externen Dienstleistern bzw. im Rahmen von Drittmittelprojekten?
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